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Digitalisierung am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

Digitalisierung am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig

Im Frühjahr 2020 wurde am Stadtgeschichtlichen Museum in Leipzig eine neue Anlage zur Digitalisierung von historischen Artefakten und Objekten in Betrieb genommen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der ganzheitlichen Erfassung der Objekte.

Die Anlage wurde von CLAUSS projektiert, geliefert, aufgebaut, und das Personal ausführlich geschult. Sabrina Linnemann, Museologin und Mitarbeiterin der Abteilung Dokumentation, stellt im Video die Technik vor, mit der hochauflösende Fotografien von 3D-Objekten und größeren Grafiken erstellt werden können:

Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig ist das historische Gedächtnis der Stadt. Dinge und Informationen des Stadtgeschehens werden gesammelt, dokumentiert, kommentiert und in Ausstellungen präsentiert. Der Sammlungshorizont erstreckt sich von der Stadtwerdung Leipzigs im frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. 1909 auf der Basis der Sammlung des Vereines für die Geschichte Leipzigs gegründet, ist das Stadtgeschichtliche Museum heute ein Netzwerk mehrerer Museumstypen mit jeweils unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. Erst in ihrer Gesamtheit bilden sie ein sich ergänzendes facettenreiches Bild städtischer Kulturgeschichte.

Sehr frühzeitig, bereits Anfang der 2000er Jahre, hat das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig den Fokus auch auf die Digitalisierung der im Depot schlummernden Schätze gelegt. Von den über 600‘000 Objekten sind bis heute bereits mehr als 70 Prozent digital erfasst. Je nach Art und Weise des Objektes, sowie dem Zeitpunkt der Erfassung variiert der Umfang des Digitalisates von einfachen Metadaten bis hin zum texturierten detailgetreuen 3D Modell. Das erleichtert nicht nur die Identifizierung von Objekten im Leihverkehr, oder die konzeptionelle Gestaltung von Austellungen, sondern dient auch über Datenbankplattformen wie „Europeana“ der museums- und länderübergreifenden Recherche und dem wissenschaftlichen Austausch.

Seit Anfang 2020 werden die Objekte nun im neuen, direkt im Depot eingebauten Studio automatisch von allen Seiten erfasst. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig entschied sich dabei für eine schlüsselfertige Lösung des Herstellers CLAUSS.

Im Detail besteht die Anlage aus einem wechselbaren Hintergrundsystem, einem Dauerlicht-Deckenschienensystem, dem Universal-Auslegerstativ CLAUSS SlideBoom, und dem Herz der Anlage, einer automatischen Drehbühne für Schwerlasten, dem CLAUSS JumboDrive 200.

Besonders die Kombination des SlideBoom mit dem JumboDrive 200 ermöglicht eine Bewegung der Kamera gegenüber dem Objekt in 2 Achsen. Dadurch können die Gegenstände aus allen Richtungen fotografiert und nahtlos erfasst werden.

Die auf diese Weise erzeugten Fotografien, i. A. mehrere hundert Stück pro Objekt, können vielfältig verwendet werden. Während die gesamte Bildserie hochauflösend archiviert und für eine mögliche spätere Restaurierung oder anderweitige Anwendungen aufgehoben wird, können Einzelbilder der Serie für Print- oder Onlinemedien eingesetzt werden. Besonders interessant ist das Ausspielen der Daten für interaktive Präsentationen. Dabei haben sich hauptsächlich zwei Formen etabliert. 

Die am häufigsten verwendete Präsentationsform, da mit keinem zusätzlichen Aufwand verbunden, ist die Darstellung als so genanntes „ObjectMovie“. Dabei werden von einer Abspielsoftware die verschiedenen Ansichten des Gegenstandes interaktiv, dass heißt vom Nutzer steuerbar, in einer solchen Abfolge gezeigt, dass beim Betrachter der Eindruck entsteht das Objekt würde sich real vor einer Kamera bewegen, und diese Bewegung vom Nutzer gesteuert werden. Die Abspielsoftware kann in Webseiten eingebettet, und damit auch online verwendet werden. Sowohl an die Infrastruktur wie auch die Endgeräte stellt diese Darstellungsform nahezu keine Ansprüche. Durch den intelligenten Einsatz von Bildkachelung und dynamischen Bildauflösungen ist ein Ausspielen selbst über Mobilfunknetze kein Problem, obwohl der Anwender in die Lage versetzt wird, aus jeder Perspektive bis in die originale Bildauflösung hinein zu zoomen.

Eine weitere Präsentationsform ist die Umrechnung, oft als Rekonstruktion bezeichnet, der Bilddaten in ein echtes 3D-Modell mit hochauflösenden Texturen. Häufig wird zu diesem Zweck der algorithmische Ansatz einer „Structure From Motion“ (SFM) verwendet. Diese Technologie befindet sich derzeit noch in der Entwicklung, zeigt jedoch in zahlreichen Anwendungsfällen bereits sehr vielversprechende Ergebnisse. Da die Datenbasis für diese 3D-Modelle die gleichen Ansichten der Objekte aus verschiedenen Blickwinkeln ist, kann mit jedem evolutionären Schritt den die Rekonstruktionsalgorithmen  in Zukunft noch durchlaufen werden, eine neue, möglicherweise hochwertigere 3D-Ausgabe erfolgen, ohne die Objekte erneut digitalisieren zu müssen.

Verschiedene Anbieter, z. B. „Sketchfab“ bieten Onlineplattformen zum Darstellen von 3D-Objekten im Internet an. Allerdings stellt die flüssige interaktive Anwendung höhere Anforderungen an die Endgeräte und an die Infrastruktur. Manche mobile Endgeräte sind dafür leider ungeeignet.